Die „Kontrapan“ verhält sich so ähnlich zur Handpan wie der Kontrabass zur Geige. Größer, bassiger, vielleicht weicher. Man erhält ein verändertes Klangbild und ein verändertes Design. Kontrapans lassen sich genausogut als Steelpanversionen wie auch als Handpanvarianten bezeichnen. In die Fusstapfen der Steelpan tritt die Kontrapan neben den offensichtlichen Komponenten auch dadurch, dass auch sie eine gewisse Widerstandspower mit sich trägt. Sie will in der Rechtsstreitgkeit einen Kontrapunkt setzen, also wirklich beides, ein Kontra und auch einen Punkt.
Konzeptionell entstanden sind die Skalen für die unhandlichen Riesen gemeinsam mit der Künstlerin und Profi-Kontrabassistin Heidi Fial. Wir suchen nicht die einfachsten Akkorde, die dann immer gleiche Harmonien ergeben, sondern wir wollen die Menschen motivieren echt geniale Basslinien zu spielen. Kontrapans, so wie wir sie uns vorstellen, sind tiefe Doublesider, die zu den beliebtesten Skalen, etwa der D-Kurd, begleitend gespielt werden können.
Inspiriert ist das Klangobjekt von der HANG(R), die 2001 „vom Himmel fiel“ und der Instrumentenfamilie der weithin sogenannten „Handpans“ sowie auf der anderen Seite der Steelpan („Trinidads Geschenk an die Menschheit“). Der Ring würde in der Steelpan- Welt als „skirt“ bezeichnet werden und dient als Spannungshalter für die beiden Schalen, die an irgendeiner Stelle ein handgroßes Loch aufweisen, das aus akustischen Gründen gewissen Sinn macht aber vor allem handgroß sein muss,sodass man die Tonfelder mit dem Stimmhammer erreichen kann (kompromissbereit aus legalen Gründen und obwohl es bautechnisch wenig Sinn macht, haben wir auch die Mitte zusätzlich versetzt, was aber letztlich in Kombi mit Skirts und Mutantenlayouts einfach nicht mehr umsetzbar war bei 6,5kg im Feintuning – und mit Birgits Bandscheiben bezahlt werden musste).
Die Idee für den schiefen Ring entstand bereits 2020 – in der Schweiz! Urheber der Idee war Handpanhersteller Daniel Bernasconi (Soma Soundsculptures). Er diskutierte mit Kollegen (etwa zeitlgeich zum Open Letter / @ „alle Formen sind denkbar) die Idee eines schiefen Ringes mit einem Loch zwischen zwei Oberschalen. Das damalige PAN LAB Kern-Team Birgit Pestal und Martin Grabner sprangen in der Diskussion sogleich an und fertigten in detaillierter Absprache mit Daniel Pläne in Autocudd an. Daniel Bernasconi dengelte seinen Ring in liebevoller Detailarbeit selbst per Hand während das PAN LAB einen renommierten Kunstschmied engagierte, der mit Hilfe von einigen Subunternehmern ein ausgeklügeltes Designerstück entwarf und innerhalb einiger Monate produzieren konnte. Dabei wurde auf ein Loch nach Daniels Entwurf verzichtet und wie gewohnt eine Ober und Unterschale verklebt – um durch die Resonanzöffnung auf der Unterschale die Noten feinzustimmen. Das erweist sich als schwer aber irgendwie machbar wobei im Vergleich dazu die Ringvariante mit Loch wirklich ein Problem beim Finetunen darstellt – man erreicht nicht mehr alle Noten. In Wien gab es dazu ein gemeinsames Experiment von Birgit mit den Tunern von NIMO, und 3d gedruckten Plastikringen – schief, gerade, mit Loch und ohne (die ihrerseits allesamt verworfen wurden). Daniel Bernasconis Variante (von ihm liebevoll als „Pac Pan“ bezeichnet) schaffte es schlussendlich in die Gerichtsakten – aber als Beispiel der Argumentation PANArts dafür, dass auch andere Formen denkbar sind. Somit wurde von PANArt zwar formal zu Experimenten aufgerufen, aber dieses Beispiel zeigte auch, dass alle neuen Formen vor Gericht gegen die Handpan verwendet werden könnten und somit war für eine Weile Kreativität stark gehemmt unter den Handpan-Makern. Die Kontrapan wurde aus demselben Grund der Öffentlichkeit weitgehend vorenthalten.
Warum ist ein Skirt so gut? Weil es den Klang beeinflusst. Birgit erreicht damit, in Kombination mit bestimmten anderen Details, das besonders holzige, nicht metallische, warme und cremige Timbre von dem sie träumte.
Wer es erleben will: gerne vorbeikommen.
Spielt man die Kontrapan mit den Händen? Strenggenommen: Nein! Aber mit den Fingern! Oder gerne auch mit Sticks, beides ist möglich.
Macht es einen Unterschied ob der Ring schief oder gerade ist? Ja.
Die Bilder und Texte sind urheberrechtlich geschützt / copyright Fotocredit: Birgit Pestal
Das folgende Bild zeigt die Jam und Konzeptionsphase der Skalen für die kommende Generation der Bass-Kontrapans im neuen Studioraum im Pan Lab.
Gespielt wurde hier der mittlerweile schon legendäre Kontrabass von Heidi Fial (siehe wunderbares Videointerview) und Birgit Pestals wunderschöne tiefe Basspan (ohne Skirt) mit 15 Noten (und okto-förmigen Dimpeln).