(Artikel ist in Revision, Nov 2025)
„Handpans“ sind ca 25 Jahre alte Instrumente, die von der karibischen Steel Pan abstammen bzw. auch als eine Cousine der Steelpan oder auch als eine verfremdete Steelpan mit gewissen Abweichungen beschrieben wurde.
Die innovative Form mit den zwei zu einer Linsenform verbundenen konvexen Schalen, die an ein UFO erinnert, wurde 2000/2001 von zwei ehemaligen Steelpanbauern in der Schweiz (PANArt AG) unter dem Namen „Hang“(R) entwickelt und damals ohne Anmeldung eines Patents präsentiert (was bis heute zu sündhaft teuren Streitereien vor Gericht führt). Diese besondere Schalenform mag den beiden allerdings bereits von ihrem innovativen Steelpanbau bekannt gewesen sein, denn Bilder und Informationen dieser Zeit legen nahe, dass Pan und Skirt durchaus auch nachträglich miteinander verbunden wurden (Bitte um Berichtigung: office@pan-lab-vienna.at). Die Skirts – die unterschiedliche tiefen Ringe am Schalenrand – waren nicht immer Teil von einem Öl-Fass, wie es bei den Steelpans üblich war, sondern es gab scheinbar auch Entwicklungen mit Einzelteilen. Skirts wurden wie es scheint als Spannungshalter (Plexushalter – ein seit spätestens 2020 von PANArt sehr oft genutzter Term) mit den gestimmten Shells im Nachhinein verbunden. Ganz ähnlich also wie die seit 2020 in Entwicklung befindliche „Kontrapan“.
Sehr innovativ wäre in dem Zusammenhang auch der Stimmring, von dem ebenso angenommen werden könnte, das PANArt diese Idee ganz nach eigenen Bedürfnissen entwickelte um die Spannung während des Stimmens der Halbschalen zu halten (vermutlich sowohl bei Steelpans als auch bei anderen entstandenen Klangkörpern). In welche Art von Stimmring die neuesten in hyperparabolischer Form geschwungenen Innovationen (die auch den Begriff „Plexushalter“ als Arbeitstitel tragen) von PANArt passen, das ist mehr als mysteriös! Jedenfalls geht es nicht ohne Spannung. (Im PAN LAB haben wir unseren Stimmring übrigens nach „Shellopan“ Vorbild entwickelt und über die Jahre immer noch ergonomischer gestaltet).
Für das nitirierte Schalen-Material gab und gibt es bei PANArt einen eigenen Namen und ein patentiertes Rezept („Pang“). Diese Schalen-Form aber auch Abwandlungen von diesem Nitrier-Rezept sind auch heute für Handpans sehr verbreitet. Die meisten Schalen werden allerdings heute aus Edelstahl hergestellt und der nitrierte Stahl ist quasi nur noch eine Nische für Insider, die ein bestimmtes Timbre anstreben (im Pan Lab experimentiere ich -Herstellerin Birgit Pestal- aber auch mit hybriden Formen).
In den meisten Glossaren über Musikinstrumente tauchen Handpans übrigens noch immer nicht auf – wohingegen die Steelpan mit ihrer über 100-jährigen Geschichte stolz als das ‚einzig wahre neue Instrument‚ gelten darf, das im letzten Jahrhundert hervorgebracht wurde. Es gibt (zumindest in Österreich) auch keinen eigenen Gewerbeschein (also keine eigene Sparte) dafür. Handpans existieren rechtlich so gesehen ja eigentlich gar nicht. Außer man sieht beim Patentamt nach, wo nach und nach verschiedene Designs durchaus geschützt werden. Handpans stehen spätestens seit 2020 massiv unter Beschuss – wegen einem Plagiatsvorwurf, der in den sehr wichtigen Details (der genaue Abstand zur Vorlage) allerdings immer noch unentschieden ist (Stand vom Mai 2025). Die Anzahl der Publikationen im Bereich nimmt jedenfalls deutlich zu – es gibt schon viele Diplomarbeiten und Dissertationen, wobei aktuell die Dissertation von Akhok Wong (2023) besonders hervorzuheben ist, eine umfangreiche und gut lesbare erste musikethnologische Abhandlung, die auf englisch und inklusive eines PDFS mit Berichtigungen von PANArt vorliegt.
Wie dem auch sei: Aus Sicht der Steelpangeschichte heraus, aber auch aus Sicht eben jener UrheberInnen (PANArt) ist die Anerkennung für künstlerische oder physikalische Innovationen eine nicht unwesentliche Sache. Und in beiden Welten gibt oder gab es mit hoher Wahrscheinlichkeit auch mal Streitereien darüber, wie etwas gemacht werden „muss“, wer das bessere Material hat, wer den schöneren Bass hat, wer etwas zuerst gemacht hat, usw. usf. Egal wie man nun hinhört oder schaut – Das Ganze hat auch immer diesen manchmal ausgesprochenen oder eher oft auch eher verschwiegenen Unterton von „cultural appropriation“. Also der „kulturellen Aneignung“ oder auch Adaption von etwas – ohne die Urheber zu zitieren oder um Erlaubnis zu fragen. An dieser Stelle darf nochmal darauf hingewiesen werden, dass die Steelpan immer wieder und auch von den Protagonisten selbst als Geschenk an die Menschheit bezeichnet wurde und mit unglaublicher Strahlkraft und echter Peoplepower in die ganze Welt getragen wurde. Auch ist es nur eine Behauptung von mir, aber ich glaube, dass es denjenigen Menschen etwa aus Trinidad und Tobago, die ihrerseits gut mit Steelpans beschäftigt sind, ziemlich egal und einerlei ist, wie sich da einige (hauptsächlich weisse, männliche) Steeltuner oder Kapitalisten in Europa gegenseitig in die Haare kriegen. Gestritten wird etwa wegen der Richtung in welche sich der Stahl an welcher Stelle um wie viele Millimeter krümmen darf oder eben nicht (Apex oder Inpex) und ab wann etwas ästhetisch oder technisch bedingt ist.
Eines der Hauptargumente im Handpanplagiatsfall vor Gericht stammt übrigens aus der Feder von einem höchst angesehenen Steelpanphysiker (Dr. Anthony Achong, R.I.P), der an anderer Stelle sagte:. “ Das Hang ist ein Steelpan (Pan), das aufgrund der gewählten Methode des direkten Handspiels nur eine begrenzte musikalische Reichweite hat (nur tiefe Lagen).“ Er führt es noch genauer aus: „Helmholtz-Hohlraumresonanzen werden nur teilweise genutzt, aber wenn sie voll genutzt werden, schränken sie die musikalische Reichweite weiter ein (…)“. Und an anderer Stelle über den Unterschied einer Spielweise mit Hand oder Sticks resümiert er, nach der physikalischen Erklärung: „Die Hand ist ein natürliches, persönliches Element; daher ist der tonale Charakter des Hangs vom Spieler abhängig.“ Das Geheimnis sei nicht das Material sondern die Dynamik, verrät er auch. Und damit ist eigentlich alles Wesentliche gesagt. Wie die ganze Dynamik dahinein kommt, das ist mit Sprache schwer beschreibbar finde ich und das muss man eigentlich selbst erleben (bei einem DIY Tuningworkshop zb).
Der Begriff „Handpan“ hat sich als Bezeichnung für weitere Entwicklungen dieses neuen Instruments durchgesetzt. Der Begriff „Handpan“ stammt vom „Pantheon Steel“ Tuner Kyle Cox aus den 2000er Jahren – einer der ersten, die aus Rechtstreits- Gründen mit PANArt zusammenstießen und der seine Marke ausgerechnet „Halo“ (ein anderes Wort für Heiligenschein) nannte. Das alles war aus Sicht PANArts wohl eher wenig stimulierend. Verschiedenen Theorien zufolge kulminiert in dem Begriff Handpan vielleicht auch das gesamte Problem der Verletzungen PANArts recht anschaulich.
Große Vielfalt & kulturelle Aneignung
Es gibt bei den sogenannten Handpans keine Standardisierung in Bezug auf Größe, Bauart, Kammertonfrequenz, oder auch Material, Oberflächengestaltung oder auch auf die Anzahl der Tonfelder oder gar den Tonumfang. Was man alles findet, wenn man nach Handpans sucht, das unterscheidet sich also stark voneinander. Und viele dieser Handpans, aber keineswegs alle, unterscheiden sich auch in etlichen Details von der Hang (R). Wie aber diese gestalterischen Abstände mit den Wünschen der Hang-Urheber letztlich zusammenpassen, das wird seit 2020 von einem Gericht (in der Schweiz) im Detail geklärt. Ressourcen über diesen Rechtsstreit (bei dem es um Designschutz und Urheberrecht geht und nicht um Patent) gibt es auf panart.ch oder der Gegenseite: hcu.global und auszugsweise auch hier im Blog unter dem Tag #Rechtliches.
Handpans werden von der PANArt AG seit Beginn des Rechtstreites pauschal als „Plagiate“ bezeichnet, unabhängig von den Abständen oder kreativen Veränderungen, die es hier gegeben haben mag. Es ist PANArt außerdem wichtig, dass es die Endkunden wissen, dass sie es bei Handpans mit „Plagiaten der Hang zu tun haben“.
„Kulturelle Aneignung“, das ist (Zitat, GPT) die Inanspruchnahme von Dingen, Praktiken oder Traditionen aus einem kulturellen Kontext, der nicht der eigene ist.
Vielleicht ist es also das was PANArt den Handpans eigentlich vorwirft – es wird immer wieder betont es geht um Respekt und nicht um Geld.
Diese kulturelle Aneignung ist gleichzeitig dasselbe, von dem man glauben könnte, das es die Steelpangemeinde der Handpan oder Hang nachträgt. Es mag bereits viele Dialoge geben zwischen den Tunern , aber wenn dem so ist, dann finden sie hinter den Kulissen statt.
Und es ist auch noch keine internationale Steeltunerkonferenz geplant soweit ich weiß, sehr schade!!
Klanglabore aus dem PAN LAB
Hier entstehen Unikate in sehr geringer Stückzahl.
Jedes Tonfeld wird mit dem Hammer von Hand gestimmt. Jeder Hammerschlag kann das Kunstwerk zerstören – oder es der Harmonie näher bringen. PAN LAB Makerin & Tunerin (sowie ehemals Anthropolgin, Journalistin und Webdesignerin) Birgit Pestal hat seit 2017 mit rund 150 Skalen und verschiedensten Layouts ihre Erfahrungen gesammelt. Birgit sieht die Pans gerne als Verstärker für Wahrnehmung und Intuition. Sie haben die Kraft, Musik zu den Menschen zurückzubringen und zwar insbesondere auch zu jenen, die diese Verbindung vielleicht verloren glaubten. Die Energie von Musik ist friedensstiftend auf so vielen Ebenen – und da liegt vielleicht auch ihr höchstes Potential und der Grund für den unfassbaren Erfolg der Newcomer Instrumente. Viele Menschen nutzen bereits das neue Instrument als ein Gefährt in ein neues Leben.
Mit diesen Musikinstrumenten kann man Klang auf eine völlig neue Art und Weise erforschen… nicht zuletzt indem man rhythmisches und melodisches Spiel kombiniert.
Wer sich selbst auf die spielerische Forschungsreise begibt , wird entdecken, dass es hier nicht nur viel zum Lauschen und Spüren gibt, sondern dass jedes einzelne Tonfeld ein obertonreiches Klang „Labor“ (Lab) ist, das man ganz unterschiedlich betreten kann – und das zum verweilen einladet. So ähnlich wie auch das PAN LAB selbst zum verweilen einladet…. als magischer, unwirklicher Ort,… der die Phantasie anregt und der zu einer echten Auszeit einladet. Wen wunderts, dass die UFOS ausgerechnet hier landen wollen?
Übrigens: Das PAN LAB ist das Projekt einer einzelnen Einzelunternehmerin ohne Angestellte. Die One- Women-Show läuft seit 2017 mit wechselnden Teammitgliedern im Bereich Verkauf, Musikunterricht, Ingenieurskunst und Hilfen bei der Herstellung und Hausmeisterei. (Es grenzt an ein Wunder, dass dieser magische Ort, dieser idyllische Garten und das hundert Jahre alte Haus, trotz einer Palette von Widrigkeiten aller Art über die Jahre, immer noch aufrecht erhalten werden kann – das ist v.a. vielen lieben Helfern zu verdanken, sowie allen Menschen, die durch ihren bewussten Einkauf im PAN LAB zur Erhaltung dieser Struktur beigetragen haben).
Die „Kontrapan“ ist da!
Die neuen Erzeugnisse kann man nur irgendwo in der Mitte von Steelpan und Handpan positionieren wahrscheinlich. „Kopierte“ Ideen aus Hang(R), Handpan und Steelpanwelt könnte man sagen, nichts Neues, kaum kreativ – nun ja andere sehen es anders! Und hören es anders! Über den Klang muss man keine Worte verlieren, und auch nicht streiten. Der spricht für sich.
Die „endgültige“ Form, so es jemals eine geben wird, ist und bleibt weiter in Entwicklung.
Interessanterweise könnte man behaupten die Geschichte habe auf dem Weg von der Steelpan zur Handpan die Kontrapan ausgelassen.
Die Kontrapan ist so gesehen vielleicht ein nachträglich hineingefügtes Zwischenstück. Und ironischerweise: das ist ja auch das Wesentliche daran: ein zwischen zwei Elementen eingefügtes Zwischenstück – ein Skirt.
Die Autorin dieses Textes ist Birgit Pestal – und nichts davon wurde mit AI generiert.
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