Oben: Bilder-Sammlung von Unterschalen – seit vielen Jahren
Wer die mittlerweile tausenden Seiten Gerichtsakten studiert hat, weiß: Die „Schlichtheit der Unterschale“ ist als Urheberrechtskriterium bei PANArt da und dort vermerkt. Eine Möglichkeit nicht schlichte Unterschalen zu machen, ist wahrscheinlich das Einstimmen von Klangfeldern, so wie das heute extrem verbreitet ist. Aber vielleicht ist ein aufwendiges Design auch „nicht schlicht“, aber so etwas können heutzutage vermutlich nur noch sehr ernsthaft die Juristerei Studierende beurteilen.
Wie dem auch sei: Spätestens seit der Serie „Baker“ geht es im PAN LAB ans Feuermalen. Diesen Namen wählte Makerin Birgit hinsichtlich der berühmten Josephine Baker – aber auch hinsichtlich der PAN LAB Backexperimente, die damals begannen und die buchstäblich einfach „heiß“ waren! Damals musste rausgefunden werden, welche Temperatur was macht und wie den Stimmvorgang verändert. Seither wird auch versucht „mit dem Feuer zu malen“. Das ist eine im Haus entdeckte Technik, wo durch den Einsatz von viel Kreativität und verschiedener Flüssigkeiten sowie zig Schablonen oder Stempeln ganz unterschiedliche Designs auf die Schalen kommen. Und diese werden dann mit einem Bunsenbrenner gebrannt oder in einem Ofen, etwa einem Pizzaofen oder auch einem Keramikofen (beides sehr verbreitet in Handpanwerkstätten), gebacken. Ist man etwas zu langsam oder zu schnell verpuffen die aufwendig kreiierten Designs gnadenlos im Feuer.
Über die Jahre zeigte sich welche Flüssigkeiten besser funktionieren und welche Techniken Designs ergeben, die besonders gut von euch angenommen werden. Außerdem gibt es verschiedene Techniken des Erhitzens und auch wesentlich scheint es dabei die Oberhitze und Unterhitze im Blick zu haben. Mit einer Temperaturpistole kann man dies während des Prozesses gut messen – denn es kommt ja darauf an wie heiß der Stahl ist und nicht wie heiß es im Ofen ist. Die Leute fragen immer mit wieviel Temperatur gebacken wird, … das kommt nicht nur auf das Material und auf das gesetzte Ziel an, sondern auch auf den Ofen. Und darauf, ob die Temperatur, die man einstellt, auch die ist, die man defacto kriegt!
Im Gegensatz zu anderen Handpan Marken, die etwa auf Gravuren, Mandalas und vor allem auf Symmetrien setzen, entscheidet sich Birgit Pestal, ihrem eigenen Wesen entsprechend, für einen naturnahen „Look“.
„Mein Ziel ist es, dass es so aussieht, als wäre ein Malachit ins Wasser gefallen. Und dann sind da diese Fantasie-anregenden Elemente, die ich einbaue, Spiralen, oder verschwommene Muster. Eher diskret, eher so dass das Auge was zu tun hat. Wie in den Wolken oder im Wasser kannst du dort selbst etwas entdecken. Und falls dieses etwas mit einer eigenen Stimme spricht, dann erzählt es dir etwas von Imperfektion und Naturgewalt und der Lust einer Sinnsuche und nicht einen fertigen Sinn.“
Warum ist es unregelmäßig und wild? Weil es passt. Jede Schüssel ist ein Unikat, es ist nicht kopiert und es ist nicht kopierbar. Und auch bei der Stimmarbeit mit dem Hammer passiert ja das selbe: Unregelmäßigkeiten, Dellen, verschwommene Grenzen, man sieht die Sehnsüchte und man sieht die Versuche und man sieht und hört das Ergebnis – das sicherlich weit von Meisterschaft entfernt ist, aber das schön ist und das Menschen berühren wollen und das Menschen berührt. Vielleicht ist es technisch nicht besser möglich und vielleicht hat man sich sehr bemüht. Oder vielleicht hat man die Bemühung aufgegeben und gibt sich zufrieden mit dem was innerhalb der eigenen Grenzen eben möglich ist. Vielleicht ist es auch ein Respektabstand, dass es Unregelmäßigkeiten gibt, denn Perfektion, so sagte man etwa im alten Persien, ist nur für Gott allein (und so wurden in die filigransten Schmiedearbeiten noch winzige Fehler eingebaut mit diesem Argument).
Es werden alle Schalen im PAN LAB auf diese Weise gestaltet bevor erhitzt wird. Aber es gelingt nicht immer, und viele Male verschwinden die Muster beim Malen mit dem Feuer. Sie verpuffen ins Nichts wenn es ein wenig zu heiß wurde. Manchmal sieht man auch nur Spuren.
„Und wenn es Spuren sind, dann eben diese von einem Prozess und das unterstreicht die Prozesshaftigkeit, denn es ist alles ein Prozess solange wir leben. Und auch ein fertiges Instrument verändert sich weiter je nach Wetter und je nachdem wie es gespielt wird, auch wenn es nur minimal ist… denn wie könnte es anders sein?“
„Wer leuchten will, muss sich verbrennen lassen.“ (Viktor Frankl)
PS. Manchmal wollten Kunden das Designs selbst machen, das ist möglich und eine gute Option selbst etwas einzubringen in das eigene Instrument! Aber es gibt keine Garantie, dass es gelingt! Nur eine gewisse Wahrscheinlichkeit.
PPS: Für alle die genau schauen: Die weißen Linien, die man auf der Innenseite manchmal sehen kann, entstehen beim Layoutprozess… hier gibt es mehr dazu: Signatur der Skalen