Vierte Handpan Serie


von Birgit Pestal (2019)

BAKER Handpan Serie – Archiv  (2019)

baker-handpan-panlab1BAKER #SN1 (verkauft)

Scale: C# Kurd

workingtitle: „Brahim“

 

 

 

 

baker-handpan-panlab-vienna-2BAKER #SN2 (verkauft)

Scale: C# Kurd

workingtitle: „Akio“

 

 

 

 

ANNAZISKA_KURD_HANDPAN_Panlab-wienBAKER #SN3 (verkauft)

Scale: C# Kurd

workingtitle: „Stellina“

 

 

 

 

 

 

 

fis-handpan-doppeloktave-wienBAKER #SN4 (verkauft)

Scale: F# Moll

workingtitle: „Janot“

 

 

 

 

 

 

 

 

 

e-celtic-panlab-handpan-1BAKER #SN5 (verfügbar)

Scale: E- Celtic

workingtitle: „Louis“

Besichtigung: Terminwunsch an office@pan-lab-vienna.at senden

 

 

 

 

 

 

 

 

 

BAKER #SN6 (verfügbar)

Scale: C# Kurd (Annaziska)

workingtitle: „Jean-Claude“

Besichtigung: Terminwunsch an office@pan-lab-vienna.at senden

 

 

 

 

 

 

 

 

 

BAKER #SN7 (verfügbar)

Scale: F- Harmonic Minor

workingtitle: „Koffi“

Besichtigung: Terminwunsch an office@pan-lab-vienna.at senden

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kriterien

Verglichen mit den früheren Handpan Serien RUMIDIOTIMA  und BINGEN habe ich einige zentrale Tools und Werkzeuge sowie auch Arbeitsabläufe verändert oder erweitert und bin nun auch in der Lage weitere neue Skalen anzubieten.  Eine besondere Veränderung sind die Ratios der verwendeten Matrizen für die Tonfelder, denen lange Berechnungen und viele Erfahrungswerte über die letzten Serien vorangehen. Auch die Heat-treatments werden nun in Dauer und Temperatur verändert. Die meisten Pans dieser Serie, nicht alle, werden blauschimmernde bis schwarze Farbtöne aufweisen und btw. auch verschieden gedrehte Tonfelder aufweisen (früher waren es fast immer zentrierte Layouts). Die zentrale Note kann je nach Wunsch als Impex oder Kuppel gebaut werden.

Derzeit häufen sich einige verschiedene Bleche anderer Hersteller im PAN LAB und es wird sich noch zeigen ob daher vielleicht erstmals mehrere Materialien für diese Serie zum Einsatz kommen können. Das Ziel ist 12 Instrumente zu bauen (die Arbeitstitel in der Herstellungsphase sind btw. die Namen aus der Rainbowfamilie von Josephine Baker)- und wenn möglich nicht immer mit demselben Ausgangsmaterial. Das wichtigste Kriterium um der Serie anzugehören ist die Qualität, und nicht das Blech.

Wer sich für die Herstellung interessiert, kann Genaueres bei einer Tour durch die Werkstatt erfahren. Käufer*nnen, die ihr Instrument vor Ort abholen, können ihr Interesse an einer Werkstattführung bei der persönlichen Terminvereinbarung bekanntgeben.

Klangskulpturen der Serie BAKER sind an der Innenseite mit einem Etikett mit der Seriennummer und Skalen-Info im Vintage-Look versehen.

AGB & Stimmservice

Wer eine Handpan Klangkskulptur im PAN LAB erwerben möchte, sollte verstehen, dass es sich generell um ein junges und wenig verbreitetes Kunsthandwerk handelt das zudem auch nicht formal reglementiert ist (so wie etwa der Geigenbau). Es gibt jedoch gewisse inoffizielle Standards und in dieser Ausrichtung entstehen auch die PAN LAB Pans, also so, dass auch fremde fähige TunerInnen diese eines Tages nachstimmen können müssten.

Trotz höchstmöglicher Sorgfalt bei der Herstellung kann keine Garantie für die Haltbarkeit der eingestimmten Töne übernommen werden – dieses Risiko gilt es beim Kauf einer solchen Klangskulptur anzuerkennen.

Ich biete nicht automatisch gratis Stimmservice an, da die Instrumente, sobald sie das PLV verlassen allen möglichen Einflüssen und Unfällen potenziell ausgesetzt sind und außerdem eine langjährige Erfahrung schlichtweg fehlt. Außerdem ist ein Stimmservice zumeist auch ein „Update“ und das sollte also auch einen Wert haben. 

Empfohlen wird einen Checkup nach ein oder zwei Jahren. Wenn es die Umstände erlauben, werden wir gerne gratis oder freie Spende Stimmservice anbieten. Bisher haben sowohl Profis als auch AnfängerInnen gute Erfahrungen mit den Instrumenten aus dem PAN LAB rückgemeldet (Feedback). Stimmservice für PLV Pans ist normalerweise mit kurzer Vorlaufzeit möglich. 

Im Sinne von „best practice“ biete ich sehr gerne gratis Stimmservice für den Fall an, dass jemand seine PAN LAB Pan weiterverkaufen will.

Preise

Die Preise variieren abhängig von Skala und Qualität. Als Richtwert: Eine Pan mit 8+1 Noten, die man direkt im PLV kauft, hat bisher viele Male €1980,- gekostet, inklusive 20% Steuer (=1650 + 330), Tasche, Kantenschutz, Mircofasertuch und einem zusätzlichen Protection-Sheet.

Warteliste

Menschen, die auf der Warteliste stehen werden kontaktiert, sobald das jeweils gewünschte Handpan abholbereit ist. Derzeit ist die Warteliste noch geschlossen. Man kann eine Mail mit dem Betreff „Warteliste Info“ an office@pan-lab-vienna.at senden um kurz bevor die Warteliste wieder geöffnet wird, per Mail informiert zu werden. Es gibt immer nur eine beschränkte Anzahl an Wartelistenplätzen, da wir die Wartezeiten gering halten wollen (max 10 Wochen). Wir akzeptieren übrigens keine Vorrauszahlungen. Der Platz auf der Warteliste verpflichtet außerdem nicht zum Kauf (außer bei sehr speziellen Sonderanfertigungen). Dies ist klarerweise nur dank eurer hohen Nachfrage möglich, wofür wir uns auf diese Weise auch bedanken wollen.

Selbstabholung

SelbstabholerInnen werden hier besonders geschätzt, wir freuen uns über das persönliche Kennenlernen und zeigen per der Gelegenheit gerne auch her wie die Instrumente entstehen.

Bezahlung: via Onlinebanking (Überweisung) bei der Übergabe. Die Überweisung kann per Smartphone oder an einem geschützten PC vor Ort durchgeführt werden (Bitte Logindaten mitbringen). Leider können wir (wegen der österr. Registrierkassenpflicht) derzeit keine Barzahlung akzeptieren.

Versand

Die Idee, etwas so Spezielles ungeschaut zu kaufen – also ohne es je in Händen gehabt zu haben und gespürt zu haben ob es passt- diese Idee wird im PAN LAB nicht gerade befürwortet. Versand ist aber in Ausnahmefällen möglich (etwa bisher wenn sich beim Käufer um eine Institution wie zum Beispiel ein Spital handelt oder eine Privatperson, die einen ganz besonderen Zugang zu diesen Instrumenten hat und dezidiert das PAN LAB unterstützen möchte.). Der Versand inklusive voller Versicherung, Verpackung und inklusive einem Hardcase kostet EU-weit ca. 4-500,- (Das Hardcase alleine kostet etwa 180-200,-).

Flash Sales

Für diese Serie werden wir erstmals „Flashsales“ anbieten, das bedeutet, dass kurzfristig Instrumente für SpontankäuferInnen erhältlich sind. Dafür gibt es ab jetzt ein eigenen PAN LAB Newsletter.

Josephine Baker

Die neue Serie ist einer Persönlichkeit gewidmet, die für die integrative Kraft der Musik und auch für etwas sehr Politisches steht: Und zwar Gleichstellung, Antirassismus, Gleichberechtigung, Freiheitskampf, Überwindung von banalen Exotismen und Vorurteilen. Sie gilt als „Ikone der Befreiung“ und als der erste schwarze Superstar. In Paris 1925 erlangt sie durch die „Revue Nègre“ Berühmtheit. Sie etabliert den „Jazz hot“ und erreicht internationalen Ruhm, während Frankreich vom amerikanischen Jazz infiziert wird (Quelle). 1927 verdient Baker mehr als jeder andere Entertainer in Europa.

Als Tänzerin und Überbringerin des „Charleston“ nach Europa verkörperte sie zu den Anfängen ihrer Karriere als schwarze Frau im Bananenrock den uferlosen Exotismus, der sich bis zu den 1920er Jahren aufgestaut hatte – in der weissen priveligierten Gesellschaft, die ihren Reichtum über Sklaverei erwarb und noch weit davon entfernt war diese Traumatisierungen einzugestehen. Als Entertainerin, Sängerin und Tänzerin war sie weltweit berühmt, berüchtigt, sie wurde vergöttert und verteufelt und erlebte abscheulichste Diskriminierungen und Widersprüche – in Zeiten der aufblühenden Bürgerrechtsbewegung.

 

Emanzipation, Integration & gute Laune

Als ältere Frau gründete sie die erste „Rainbowfamilie“ (Bezeichnung kommt von ihr) mit 12 Kriegswaisen und Armutsopfern aus Europa, Afrika, Asien und Amerika. Sie unterstützte die US-amerikanische Bürgerrechtsbewegung und war 1963 beim „Marsch auf Washington“ neben Martin Luther King Jr. Hauptrednerin. Als französische Geheimdienstagentin transportierte sie tatsächlich Dokumente und schmuggelte Kassiber über die Grenzen und dafür wurde sie schließlich auch mit würdevollen Verdienst-Orden ausgezeichnet („Croix de Guerre“ und „Medaille de la Résistance“.)

„Ihr unstillbares Verlangen, alles zu verändern, ist einer Kindheit geschuldet, in der Gewalt und harscher Rassismus Alltag waren. Als Josephine Baker zur Welt kam, lag die Sklaverei erst 40 Jahre zurück.“ (Quelle)

Tanz und Gesang war ihr Leben und ihre unverschämte und mutige Art verschafften ihr eine einmalige Karriere zu einer Zeit als diese geradezu groteske gute Laune gerade so richtig en vogue war. „Tanzen ist die beste Art, mich warm zu halten“, sagt sie mit 13.

Anders als in den vorangegangen Serien von Klangskulpturen („Diotima“, „Bingen“ und „Rumi“), finde ich bei Josephine Baker keine philosophischen Überschneidungen, die nun etwa den/meinen Stimmprozess veranschaulichen können. Ich finde aber einen Bezug über die Musik, die uns Menschen bekanntlich zu verbinden vermag,  und die Euphorie, da es der „Karneval“, der Exotismus und die fast übertriebene gute Laune und der Enthusiasmus der Nach-bzw. Zwischenkriegszeit ist, die ich beim Phänomen Josephine Baker entdecken kann – und das alles Kategorien sind, die man problemlos auch vielerorts in der mega-enthusiastischen Handpan-Welt beobachten kann. 

 

Ikone der Befreiung

Es ist auch kein Zufall, dass ich nach einem Charakter aus eben dieser Zeit gesucht habe, denn auch heute sehe ich ähnliche Muster, unglaubliches „Abfeiern“ allerorts und gleichzeitig unglaubliche Schrecken und große Unaufgeklärtheit, Dummheit, Diskriminierung, Naivität, Exotismus und Unfähigkeit Dinge beim Namen zu nennen. In der Zwischenkriegszeit herrschte nicht nur ein entfesselter tobender Zeitgeist sondern vielerorts eine enthusiastische Partystimmung und ein neuer Freiheitsdrang. Die Menschen glaubten auch,  die Industrialisierung würde alle Probleme lösen.

Ich hoffe mit dem Verweis auf Baker gelingt mir ein kleines politisches Statement darüber, wo ich die Welt und auch die Rolle der Handpan in der Welt derzeit ein Stück weit sehe:  Als ein wunderschönes, exotisches und wildes Instrument, dass entfesselt werden will und auch uns Menschen entfesseln kann und das alles Widersprüchliche wieder harmonisch vereinen will, sozusagen analog zu Baker’s Rainbowfamilie. Und wie auch Josephine Baker sind diese Klangkörper den kapitalistischen, (niederschwellig) rassistischen und patriarchalen Strukturen und Zwängen unterworfen,  die aus der Kolonialzeit und letztlich unmenschlicher Versklavung und Elend wurzeln. Man muss, wenn man den Begriff „patriarchal“ verwendet, finde ich immer darauf hinweisen, dass insbesondere Männer Leidtragende von patriarchalen Strukturen sind, denn sie müssen ja „alles“ leisten, tragen die Welt auf ihren Schultern, gelten immer schon als die „Norm“ und werden noch dazu als Kriegsfutter verheizt. Auch wenn Frauen in der kriegerischen Hinsicht mehr ‚verschont‘ sind, Leidtragende sind sie genauso – nicht nur durch die sexuelle Gewalt. Sie sind auf vielen Ebenen anders leidtragend, sie werden in eine unterwürfige Rolle gedrängt, in ihrer Power verharmlost, verniedlicht, in Rosa getaucht und klein gehalten während die Männer durch den Militärdienst, dessen Verweigerung schlimm bestraft wurde und wird, de facto in die Schusslinie geraten. Josephine Baker ist jedenfalls das glatte Gegenteil von einer unterdrückten Hausfrau. Sie emanzipiert sich im Laufe ihrer komplexen Biographie – und zieht dabei andere in ihren Bann, heute wie damals.

Die gefeierte und berüchtigte „schwarze Venus“ hatte kurzgesagt ein höchst spannendes Leben und eine sehr brisante Rolle. In mehreren europäischen Städten war sie Projektionsfläche für zahlreiche Feindbilder. Die Wiener Nationalsozialisten fordern ein Auftrittsverbot für Baker (1928), Baker galt als Beispiel für „entartete Kunst“.  In Berlin sprengen SA-Trupps die Vorstellung und ins faschistische Italien durfte sie nicht einreisen. In den USA wurden ihr Hotelzimmer verweigert.

„Josephine Baker lässt sich nicht einschüchtern, niemals.“  (Quelle)

Ungefähr in den 1930er Jahren wird in Trinidad/Tobago die Steelpan erfunden und die Blechstimmkunst entdeckt. Dies geschieht aus einem politischen Konstrukt von solcher gewaltvoller Geschichte, bzw. solch struktureller Gewalt, heraus, dass man es meiner Meinung nach nur mit einem Vulkan vergleichen kann. Mag die Analogie auch sehr laien- und krückenhaft sein:  Josephine Baker war auch ein Vulkan.


Diese Handpanserie ist voller Respekt Jospehine Baker und ihrer Rainbowfamilie gewidmet, sowie allen antirassistischen Widerstandskämpfer*nnen heute und damals – und nicht zuletzt den Pionier*nnen der Blechstimmkunst aus Trinidad/Tobago, in deren Fusstapfen wir Handpanmaker*nnen  heute allzu oft, so als wäre es ganz selbstverständlich, treten – und denen wir alles, was wir uns mit Handpans nun aufbauen, zu tiefst zu verdanken haben. 

 

„Sie war ein Genie, ein Genie der guten Laune.“ (Quelle)

„Unsere Träume können wir erst dann verwirklichen, wenn wir uns entschließen, einmal daraus zu erwachen.“

Josephine Baker

„Weit ist der Weg vom Ohr zum Herzen, aber noch weiter ist der Weg zu den helfenden Händen.“

Josephine Baker

„Ich werde mein Leben lang tanzen: ich möchte sterben, atemlos, verbraucht, am Ende eines Tanzes.“

Josephine Baker