Deine Ohren…


werden Augen machen

Gehörnerven wachsen niemals nach

Warum wir als Handpan SpielerOnnen* auf unseren Hörsinn besser gut Acht geben

Handpanspielen ist für manche Ekstase, Trance, Meditationsbegleiter, oder eine Art Fahrzeug in eine andere Wahrnehmung. Manchmal entladen sich Energien, manchmal drehen sich Gedanken im Kreis, wir erleben spannende Entwicklungen wenn wir uns mit dem singenden Blech auseinandersetzen. Aber wie geht es eigentlich dabei unseren Ohren?

Wusstet ihr, dass wir teilweise mehr Dezibel Lautstärke beim Spielen erreichen, als beim Herstellen der Handpans? Beim Herstellen tragen wir einen Gehörschutz. Klar. Beim Spielen wird das Thema gern komplett vergessen oder vernachlässigt. Auch klar. Weil die Welt nunmal laut ist – und wir sind das nicht anders gewöhnt.

Als Handpanherstellerin nehme alle Schritte in dem Kunsthandwerk sehr ernst. Sonst hätte ich nicht so schnelle Erfolge schaffen und dabei gesund bleiben können. Leider haben viele Maker, die anfangen im Sturm und Drang Handpans zu bauen und den Gehörschutz vernachlässigen, bald einmal einen Tinnitus. Ich nicht, ich lasse meine Ohren testen, schütze sie gut, halte möglichst die Ruhezeiten ein und ‚beobachte‘, ob sich etwas verändert. Alle 6-12 Monate bin ich bei einem Akustik-Profi Ohren testen. Ich habe übrigens Glück und nur ganz minimal den klassischen Abfall bei einer 4 kHz, den leider übrigens die meisten Menschen haben (!).

Hab ich schon erwähnt, dass Gehörnerven so ähnlich wie zweite Zähne nicht so einfach regenerieren oder nachwachsen? Sie können es nicht, so heisst es…auch wenn einige im Esoterikbereich es durch Meditieren schaffen wollen, das mag natürlich sein – man müsste dafür aber schier unglaubliche Kräfte aus einem selbst aktivieren. Also, das ist kurzgesagt vielleicht etwas, das man eher vermeiden möchte. Ohne jetzt mit dem erhobenen Zeigefinger oder Zaunpfählen winken zu wollen, aber: Ja, man kann auch leise spielen und das ist nicht nur schonend fürs Gehör sondern auch inspirierend und förderlich auf allen Ebenen des Spielflusses.

Mehr über das Ohr und das Hören von Obertönen findet sich bei Interesse in meinem Dossier über Obertöne, veröffentlicht auf handpan.at.

 
 
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Was sagen andere zum Thema leise spielen?

Das Diagramm zeigt Birgits letzten Hörtest. Der PAN LAB Förderer und Akustiker Bernd Quiring kommentierte das mit „Die unerhörte Leichtigkeit des Hörens bei 4Kh am rechten Ohr – am linken wird Birgit jedoch bereits mit leichter Schwerhörigkeit bestraft“.  Der Abfall bei 4 Kilohertz ist bei mir minimal, bei den meisten Menschen ist es sehr sehr deutlich. Das ist übrigens ein irreversibler Schaden. 

Handpan Übung

Für Fortgeschrittene: Versuch mal die Tonleiter oder dein aktuelles Pattern in 10 Dynamikstufen zu spielen, 0 (keine Berührung) über 1 (leise) bis 10 (laut). Am Anfang beginne mit 3 oder 5 Stufen, es ist schwerer als man glauben würde. Jedenfalls: Wenn das Spiel der Tonleiter in mehreren Dynamikstufen gut geht, versuche zwischen verschiedenen Dynamikstufen zu springen (idealerweise gibt dir jemand Kommandos.)

daniel-giordani-handpan-workshops3„Handpans gehören zu den zartesten Instrumente die ich kenne.“


„Es ist erstaunlich welch weiche Klänge einem Stahlblech entlockt werden können. Es sind diese zarten leisen Töne, die einen ganzen Raum einhüllen und die Atmosphäre positiv verändern können. Handpans wirken am Besten im kleinen Rahmen, wenn sie leise gespielt werden können. Ich spiele sie zwar auch auf größeren Bühnen mit Mikrofonierung und Verstärkung, am Besten wirken sie jedoch im akustischen Setting. Da kann man selbst in eine tiefe, angenehme Meditation eintauchen und alle Zuhörer verzaubern.“

Daniel Giordani
Handpan Musiker und Workshopgeber
www.rhytmotop.at

Nada-Handpan-Akademie-429-quadrat„Man kann das Handpan nicht leise genug spielen.“


„Ich liebe es, wenn es unter den Fingerkuppen kribbelt und sich der Ton des Klangfeldes wie der Duft von Parfum auf der Haut oder wie das Bouquet des Weines im Glas sich leise und sanft in der Nase entfaltet. Leises Spiel ist sinnlich, poetisch, es berührt und regt zum achtsamen Hinhören ein.

Ein Ritual, das ich fast täglich nach dem Aufstehen zelebriere ist das Handpan bewusst mit minimiertem Hörsinn zu spielen und trage dabei Ohrenstöpsel. Da passiert etwas Faszinierendes. Der Fokus liegt zuerst auf dem Fühlen, das, was meine Hand und Finger beim Spiel erleben, sie können sich quasi zuerst einmal austoben : ). Ich könnte mich sehr gut an diese stark minimierte Lautstärke gewöhnen. Nach längerem Spiel wirkt es fast so, als ob es so gehört. Doch irgendwann nehme ich die Ohrenstöpsel raus und bei gleichem Spiel haut mich die Lautstärke dann fast um. Es wird völlig klar, wie sehr die Handpan resonanz- und impulsverstärkend wirkt. Ganz automatisch und organisch passe ich nun das Spiel meinen Ohren an und es fällt danach so leicht wirklich leise und bewusst zu spielen und mit wenig Impulskraft ganz feine Töne zu erzeugen, ein Genuss!“

Nadine Stanilewicz
Multiinstrumentalistin und Handpan Workshopgeberin
www.handpan-akademie.de

Der Birgit ist alles viel zu laut

Handpans könnten uns super darin unterstützen, sensibler für den Gehörsinn zu werden. Es wäre extrem schade, wenn sie ‚heimtückischerweise‘ dann genau das Gegenteil bewirken, weil wir beim ‚ekstatischen Spiel‘ voll draufballern…

In einer Welt in der alles viel zu laut ist, ist taub werden quasi bereits eine Strategie zum Überleben– daher ist Schutz angebracht, sonst erledigt der Körper das von alleine – durch absterben der Gehörnerven. Ich spiele übrigens oft mal mit Ohrenstöpsel, mitunter auch um diesen Unterschied mit/ohne wieder mehr zu schätzen.

„Leise spielen heisst für mich Nuancen wahrnehmen und Winzigkeiten entdecken. Du kannst Töne abdämpfen, die Kante sanft slappen, mit den Finger-Knöchelchen den Zwischenbereich der Pan klopfen, oder auch Tonfelder mit dem Mikrofasertuch abdecken um weitere großartige Effekte zu erzielen. Mit Mikrofonen lässt sich alles noch unglaublich verstärken klarerweise.“

Ich erinnere mich gut, dass ich erst einen außerordentlich glücklichen Lachkrampf hatte und dann stundenlang nicht aufhören konnte, als ich mit Nadine das erste kleine Tonstudio im „PAN LAB 1“ aufbaute und ich das erste mal mit Kopfhörer und Mikrofonen mein eigenes Live-Spiel ganz genau hören konnte. Es war als würde ich auf den Klang durch ein Mikroskop schauen. Ich sage das als eine, die seit 26 Jahren den Kopf gerne seitlich auf die Gitarre legt beim Spielen, um alles genau zu hören, während dem Spiel, aber nie zuvor richtige Verstärker verwendet hat.

Die Gefahr ist, dass man es allerdings dann viel zu laut aufdreht- beim Spiel mit Mikros und Kopfhörer. Übrigens sind In-Ear Kopfhörer noch gefährlicher als Headphones weil bei der Schallbewegung schon winzige mm-Bruchteile einen Unterschied für den Gehörnerv machen – etwa ob er sich biegt, knickt oder so zerstört wird, dass er nie wieder nachwachsen kann (soferne man wie bereits erwähnt nicht irgendwie Samadhi-erleuchtet ist). Darüber wie hoch sensitiv unser Gehör ist und auch über die Kymatik, habe ich übrigens viel beim Workshop des Erfinder der Naturschallwandler erfahren.

Du bist nicht allein

Irgendwo gibt es Nachbarn. Vielleicht zeigen sie sich gerade nicht. Aber vielleicht hören sie dich. Also stellen wir uns vor: Du spielst wunderschön, voller natürlicher Großartigkeit…. und idealerweise ist dein Spiel so bezaubernd, dass selbst der entfernteste Nachbar, der nur noch dahinschwebende, vom Wind getragene Obertöne wahrnehmen kann, ganz entzückt ist.

Vom Wind getragene schwebende Obertöne können aber auch ganz anders klingen in 100m Entfernung, schräg und Kopfweh-machend! Tipp: Hebe nicht völlig ab in dem Glauben, dass das alle immer nur schön finden müssen, was du da gerade arrangierst – Überprüfe auch die Realität, – deinen Nachbarn zu liebe, die auch ein Recht auf Ruhe haben.

Das die Welt so verdammt laut ist, macht mehr als deutlich wie die Machtverhältnisse sind. Denn: Wer laut ist hat die Macht, und dass werden wahrscheinlich alle KindererzieherOnnen* bestätigen. Wenn du Pan spielst spürst du sie vielleicht auch, diese „Macht“, v.a. wenn du Zuhörer hast und diese ganz fasziniert sind. Aber das ist dann schon ein Thema für einen eigenen Artikel.

PS. Einen Ohrenstöpsel- Automaten würde ich nicht nur gern bei Konzerten und Festivals, in MultiplexKinos (Filme haben oft 120 db!) und in jedem großen Bahnhof oder Supermarkt sehen – sondern den hätten wir gern im PAN LAB, wir sparen noch drauf 🙂

 

 * Das Binnen O ist eine Erfindung von Birgit, die das Binnen I irgendwie doof findet –  das O ist rund wie ein Handpan und sowieso allumfassend und überhaupt viel viel schöner. Und Punkt XD

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